Gladiatori Moderni Moderne Gladiatoren
Moderne Gladiatoren: Nach dem Kampf ist vor dem Kampf
Piero Pompili hat ein Faible für richtig harte Männer. Und unter „harten Männern“ versteht der 1967 in Rom geborene italienische Fotokünstler keinesfalls künstlich aufgepumpte Fitnessstudio-Freaks. Deren Intention ja meist vor allem darin besteht, dass ihre Muskelmassen von ihrer weiblichen oder männlichen Umgebung bewundernd bzw. neidvoll wahrgenommen werden. Das sind moderne Gladiatoren.
 
Gladiatori Moderni Moderne Gladiatoren
Diese Männer sind keine Kunstfiguren. Sie kämpfen wirklich miteinander

Piero Pompilis Männer sind keine aufgeblasenen Kunstfiguren; sie sind wirklich und wahrhaftig harte Männer. Sie sind genau das, was der Titel von Pompilis neuem Fotoband behauptet: Sie sind „Gladiatori Moderni“ – moderne Gladiatoren. Auf sie gestoßen ist der römische Fotograf natürlich nicht im Kolosseum, in dem seit vielen Jahrhunderten höchstens noch streunende Katzen balgen. Pompilis Gladiatoren kämpfen allerdings auch miteinander: Sie sind Boxer. Von Beruf oder aus Leidenschaft, und oft ist beides untrennbar miteinander verbunden.

Gladiatori Moderni Moderne Gladiatoren

Ohne blaue Flecken und andere Blessuren geht es eigentlich so gut wie nie ab.

Piero Pompili hat seine rauen Faustkämpfer über einen Zeitraum von 15 Jahren abgelichtet, vor allem in der süditalienischen Metropole Neapel und in seiner Heimatstadt Rom. Seine Fotografien zeigen Männer, die rücksichtslos austeilen können – und das auch müssen, wenn sie gewinnen wollen – und die keine Angst davor haben, auch mal selbst was auf die Nase zu kriegen. Es sind Männer, deren Körper vom Kampf mit ihresgleichen geformt wurden und nicht durch harmloses Hantelstemmen in schicken Fitnessstudios.

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Hier lächelt so gut wie niemand in die Kamera. Wieso auch?

Die „Gladiatori Moderni“ sind Männer, unter ihnen auch blutjunge und alte, denen man ihre Unnahbarkeit abnimmt. Kaum einer von ihnen lächelt in die Kamera: Ein Boxer hat schließlich auch nicht viel zu lachen. Denn er weiß, dass er so etwas wie ein Gladiator ist. Er kämpft zwar nicht mehr wie einst in den Zeiten des römischen Imperiums fürs unmittelbare Überleben, und am Ende seines Kampfes steht nur noch selten der Tod, aber oft genug gerät der Kampf zu einer blutigen Angelegenheit, und ohne Blessuren geht es eigentlich so gut wie nie ab.

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Die Verzweiflung des Boxers nach dem verlorenen Kampf

Die Porträts in „Gladiatori Moderni“ zeigen nur selten stolze Posen oder den Triumph des Siegers, dafür blaue Flecken und malträtierte Gesichter und manchmal auch die Verzweiflung des Kämpfers nach dem verlorenen Kampf. Dieser ganz besondere Fotoband ist eher nichts für ganz zarte Gemüter. Stattdessen ist er ein Hohelied auf die ungeschönte – und durchaus nicht immer schöne – Männlichkeit.
 

Piero Pompili
GLADIATORI MODERNI
Bruno Gmünder, 2017
Bildband, 128 Seiten
€ 69,99