Berlin-Neukölln: Wohnungen sind knapp im neuen Berliner Trend-Bezirk. Wo früher fast ausschließlich Geringverdiener, Arbeitslose und Aussteiger hausten, vor allem aber jede Menge Migranten aus der Türkei, Südeuropa und Nahost, macht sich inzwischen eine völlig neue Klientel breit. Hipster aus anderen Berliner Stadtteilen, aus der deutschen Provinz und aus dem Rest der Welt finden’s nämlich ganz toll, im schwer angesagten Neukölln zu residieren. Das lassen sie sich auch gern was kosten. Und wenn sie selber wenig Knete haben, dann hat oft wenigstens der Herr Papa eine dicke Brieftasche.

Die Geschwister

Der Traum vom Zuhause im Trendbezirk: „Die Geschwister“ Bruno und Sonja besichtigen eine Neuköllner Wohnung.

Mit der steigenden Nachfrage explodieren auch die Mieten, und ohne Schufa, Gehaltsnachweis oder Bürgschaft geht schon lange nichts mehr. Thies weiß ziemlich genau, wie der Hase läuft. Er arbeitet für eine Immobilienverwaltung, verdient sein Geld mit der Vermittlung der ebenso knappen wie begehrten Wohnungen. Und er hat weiter kein Problem damit, dass all die außen vor bleiben müssen, denen es am nötigen Kleingeld – oder besser: den nötigen großen Scheinen – mangelt.

Die Geschwister

Kritisch und fast emotionslos (noch): Der junge Immobilienmakler Thies nimmt seinen hübschen neuen Mieter in Augenschein.

Thies funktioniert, wie es das System verlangt. Er erledigt seine Arbeit, verwaltet den Mangel und stellt keine müßigen Fragen nach Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit. Und er sortiert so höflich wie emotionslos jene aus, denen die Mittel fehlen, sich ihren Traum vom Zuhause zu erfüllen. Bis er Bruno und Sonja trifft. Obwohl die beiden jungen Leute – sie stellen sich ihm als Geschwister vor – noch weniger haben als die meisten anderen Bewerber, besorgt er ihnen eine Wohnung. Umsonst, an seinem Arbeitgeber vorbei, also illegal.

Die Geschwister

Lässt Thies seine Grundsätze vergessen: der heiße blonde Bruno aus Polen mit einem kühlen Blonden aus Berlin

Was bringt Thies dazu, seine Grundsätze so plötzlich und so radikal umzustoßen? Die Antwort scheint zunächst ganz einfach: der süße blonde Polenbursche Bruno hat ihm den schwulen Kopf verdreht. Als Bruno ihn anmacht und dabei ganz genau zu wissen scheint, welche Sehnsüchte Thies – vor allem vor sich selbst – verbirgt, lässt der sich praktisch in Brunos Arme fallen. Möglichweise ist Thies lange nicht geliebt worden. Kein Wunder: Wer liebt schon einen Immobilienmakler? Wie dem auch sei:  Was Thies dann mit Bruno und dessen Schwester Sonja erlebt – die eigentlich gar nicht Brunos Schwester ist –, das führt ihn in eine andere Welt. Und macht einen anderen Menschen aus ihm.

Die Geschwister

Überwältigt von seinen Emotionen und von Bruno: Thies lässt sich endlich auch mal fallen und gibt sich einfach hin.

„Die Geschwister“ ist mehr als bloß eine hübsche kleine schwule Berlin-Romanze mit leichter sozialkritischer Grundierung. Der Film zeigt, dass Menschen sich ändern können. Zum Beispiel, wenn sie den Mut aufbringen, ihre Grundsätze in Frage zu stellen. Bzw. dazu, nicht mehr länger so zu funktionieren, wie es das System verlangt. Ob sich daraus zwangsläufig auch ein Happy End ergibt, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Regisseur, Darsteller, Kamera und Soundtrack haben einen ganz besonderen Film zustande gebracht. Einen der dem Zuschauer lange im Gedächtnis bleibt. Und das ist auch gut so.

Die Geschwister

Auf der Flucht vor dem falschen oder auf dem Weg ins richtige Leben: Bruno, Thies und Sonja rennen durch Neukölln.

 

Pressestimmen:

„Ein Berlin-Film mit klugen Beobachtungen und präzisen Schauspielleistungen, der ein Märchenmotiv mit Realismus auflädt. Die hier entworfene Dreieckskonstellation gehört fraglos zu den spannungsreichsten Figurenbeziehungen des aktuellen deutschen Kinos.“ spielfilm.de

„Ein sehenswerter Film über eine schwierige Gruppendynamik, die schwierige Situation illegaler Einwanderer und die schwierige Suche nach dem Glück. Das Glück in der Fremde, das Glück in sich, das Glück beim anderen.“  film-rezensionen.de

„Die Geschwister“ handelt von Berlin als Stadt und (…) erzählt die Geschichte von einem, der sich bisher aus allem raushielt, und der durch die Liebe lernt, soziale Verantwortung zu übernehmen.“  sissymag.de

Trailer

DIE GESCHWISTER

Sprache: Deutsch
Genre: Spielfilm/Drama
Laufzeit: 90 Min.
Regie: Jan Krüger
Darsteller: Vladimir Burlakov, Julius Nitschkoff, Irina Potapenko u.a.
Erschienen: Juni 2017
Studio: Edition Salzgeber
Bildformat: 16:9
Tonformat: Dolby Digital

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