Schöner Blasen

Genauso wie Ficken meist überschätzt wird, wird Blasen häufig unterschätzt.

Genauso wie Ficken meist überschätzt wird, wird Blasen häufig unterschätzt. Damit wäre die nachvollziehbare Frage, wie man nach einem „Schöner Ficken“-Ratgeber auf die Idee kommt, einen Gang zurückzuschalten und ein komplettes Buch dem Thema Blowjobs zu widmen, schon mal beantwortet. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich mich dafür eingesetzt habe, „Schöner Blasen“ machen zu dürfen: Meinen Beobachtungen zufolge ist Oralsex eine sexuelle Spielart, die erstens perfekt ins Dating-App- und Youporn-Zeitalter passt und zweitens stetig an Bedeutung gewinnt.

 

Schöner Blasen

Oralsex rangiert bei schwulen Männern auf Platz eins der Sexpraktiken.

Während ich diese Zeilen schreibe, reißt man bei der Planetromeo-Usersuche mit den Stichworten „Suck“ und „Fuck“ gleichermaßen die 600-Treffer-Marke, während man unter „Blasen“ 201, unter „Ficken“ aber nur 141 Einträge findet. Okay, das muss erst mal nichts heißen. Aber wenn man bedenkt, dass eine britische „Sexual Health“-Umfrage aus dem Jahr 2012 Oralsex als gebräuchlichste Spielart von Männern, die Sex mit Männern haben, entlarvte (mit gemeinsamem Wichsen auf Platz 2 und Analsex auf Platz 3), während das Oralsex/Analsex-Verhältnis in einer US-Studie  von 2011 gar bei 72,7 Prozent zu 37,2 Prozent lag, sieht das Ganze schon wieder anders aus. Zudem kann niemand verleugnen, dass immer mehr Blowjob-Websites wie Suckoffguys.com oder CumPigMen.com aus dem Boden schießen.

Schöner Blasen

Das Thema Blasen muss neu betrachtet und hinterfragt werden.

Auch etablierte Pornostudios wie Fratmen oder Treasure Island widmen der Vorliebe fürs „Cocksucking“ längst eigene Spartenkanäle. Diese arbeiten neben der Verherrlichung der Schwanzlutscherei als solcher zugegebenermaßen wesentlich mit der Fetischisierung des Schluckens und Abspritzens von Sperma. Auch die ewige Faszination für das Phänomen „Bro Job“ (das spielerische „Abmelken“ von unterfickten Heteros, die es sich entweder von Leidensgenossen oder von einem willigen Homo besorgen lassen) spielt eine große Rolle. All das sind allerdings nur weitere Gründe, das Thema Blasen mit all seinen Konsequenzen neu zu betrachten und zu hinterfragen.

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Es geht auch um die Anerkennung des Blowjobs als vollwertiger sexueller Akt.

Mir persönlich geht es bei diesem Buch vor allem um eines: Das Abchecken der eigenen Bedürfnisse und das Anerkennen des Blowjobs als vollwertigen sexuellen Akt. Das hat einen Grund. Bei Dates habe ich immer mal wieder das Gefühl, dass manche Kerle die Blaserei nur unkonzentriert und oberflächlich durchhecheln, weil sie meinen, sämtliche erektilen Reserven für die folgende Fickerei aufsparen zu müssen. Das ist verständlich. Wenn man sich zum Ficken verabredet, will man nicht schon beim Blasen sein sprichwörtliches Pulver verschießen. Andererseits: Es gibt nun mal Schwänze, die schlicht und ergreifend zu schade zum Durchhecheln sind.  Und sehr häufig gehören diese Schwänze zu Kerlen, die hingebungsvolles Schwanzlutschen mehr zu schätzen wissen als einen übereilten Fick. Man sollte sich also nicht aus Pflichtbewusstsein des eigenen Genusses berauben. Oder um es in eine Formel zu gießen: Besser ein voll ausgekosteter Blowjob, als ein halbherziges Blas-Fick-Doppel.

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Blasen will durchaus gelernt sein – gleichermaßen beim Empfänger wie auf Seiten des Bläsers.

Außerdem resultiert das mangelnde Auskosten manchmal nur aus Unerfahrenheit. Denn auch Blasen will gelernt sein – gleichermaßen beim Empfänger wie auf Seiten des Bläsers. Betrachten wir die ersten drei Abschnitte meines Buches also als Grundlehrgang, während die letzten beiden für Fortgeschrittene da sind. Wenn dabei für den einen oder anderen die Neuentdeckung einer Sexform herausspringt, die in der Routine des Alltags oft zur Durchgangsstation verkommt, würde mich das freuen. Wer ohnehin zu den Blowjob-Addicts dieser Welt gehört, dürfte ohnehin seinen Spaß haben.

Also: Mund auf, Augen zu und… viel Spaß beim Lesen!

Axel Neustädter

 

Axel Neustädter
Schöner Blasen – Mehr Spaß beim Oralsex
Bruno Gmünder, 2016
Ratgeber, 176 Seiten
€ 16,99