Spartacus Matthias Panitz

SPARTACUS Cover Model 2017 – Matthias Panitz!

 

SPARTACUS Cover Model zu sein, ist schon etwas Besonderes – denn es bedeutet unter anderem, dass man von Hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen schwuler Männer auf der ganzen Welt wahrgenommen wird. Diesmal hat es Matthias Panitz auf das Cover des erfolgreichsten unter den schwulen Reiseratgebern geschafft. Der junge Berliner hat übrigens nicht nur ein hübsches Köpfchen, sondern auch was drin: Der studierte Kommunikationsdesigner arbeitet als Art Director im Bruno Gmünder Verlag und hat auch schon zuvor eigene Medienprojekte erfolgreich auf den Weg gebracht. Dass Matthias in der schwulen Partymetropole nicht Tag und Nacht vor dem Bildschirm hockt, versteht sich von selbst. Und wenn er in den Clubs unterwegs ist, passiert es schon mal, dass er von Leuten ein Küsschen bekommt, an die er sich nicht so ganz genau erinnern kann. Seit er sich für Thomas Knights inzwischen schon legendären RED HOT-Kalender ablichten ließ – und seitdem er auch SPARTACUS-Covermodel ist -, kommt das noch viel häufiger vor. Matthias‘ Rezept für solche Situationen: „Immer lächeln!“ Was ihn auch bei den Brunos-Kunden im Berliner Flagship-Store beliebt machte, als er dort noch als Verkäufer arbeitete. Im Berliner Store schaut der hübsche Rotschopf übrigens immer noch ganz gern mal vorbei – jetzt allerdings „nur“ noch als Kunde … Wer wissen möchte, was im Matthias klugem Kopf noch so alles drin ist, erfährt mehr im folgenden Exklusiv-Interview in der letzten Print-Ausgabe des schwulen Magazins Männer!

Wer ist dieser Matthias Panitz eigentlich? Jurassica Parka nannte mich letztens „die Micaela Schäfer der Boy-Travestie“. Ich lass das mal so stehen.

Frau Schäfer veröffentlichte Anfang des Jahres ein Video, in dem sie sich in der Badewanne mit Sekt abduscht. Können wir uns auf ähnliches von dir freuen? Nur wenn Jurassica dabei ist.

Apropos Jurassica Parka: Du hast 2015 das Flipbook „Berlin is Burning“ veröffentlicht, in dem du viele Szenegrößen der Stadt zu Wort kommen lässt. Wie kam es zu dem Projekt und wie gestaltete sich deine Arbeit daran? Das war meine Abschlussarbeit. Ich habe Kommunikationsdesign an der HTW Berlin studiert und meine Bachelorarbeit im Bereich Editorial Design gemacht. Ich wollte nicht nur ein fiktives Magazin mit Blindtext erstellen, sondern wirklich Inhalt produzieren. Ich habe mit meinem guten Freund Alexander Winter zusammengearbeitet. Ohne ihn hätte ich das mit den Interviews nicht stemmen können. Insgesamt waren es fünf Monate Arbeit und hat sich definitiv ausgezahlt.

Du hast Kommunikationsdesign studiert, im Brunos Shop gearbeitet, bist jetzt Art Director und modelst nebenbei. Was hast du aus all den unterschiedlichen Bereichen für Lebensweisheiten mitgenommen? Studium: Keiner lernt allein. Brunos: Bessere Menschenkenntnis. Im Verkauf erlebt man skurrile Dinge, besonders dort. Art Director: Man lernt nie aus. Modeln: Ohne Agentur klappt‘s auch.

Ich habe nach deiner Website gesucht, aber keine gefunden? War ich zu dämlich oder braucht jemand, der so präsentes ist wie du, nicht eine offizielle Website? Nein, heutzutage reicht doch Instagram, oder? Wer hat denn noch Webseiten?

 Gute Frage. Sag du es mir: Welche Rolle spielen soziale Medien in deinem Leben? Für mich spielen sie eine große Rolle, nehmen aber deswegen auch viel Platz ein. Man muss eine Balance finden. Ich habe meinen Freund über Instagram kennengelernt, der selbst viel Zeit damit verbringt. Beim Abendessen liegen keine Handys auf dem Tisch. Die sozialen Medien haben mich bekannter gemacht, ohne diese wäre ich wohlmöglich auf keinem Cover zu sehen oder hätte Fotoshootings. Aber natürlich birgt ein gewisser Bekanntheitsgrad auch seine Gefahren. Mein Facebook wurde gehacked und man bekommt ominöse Nachrichten. Es gibt viele Freaks da draußen.

Spannend! Erzähl mal von deiner Lieblings-Ominösen-Nachricht! Also was vor gar nicht so langer Zeit etwas gruselig war, war einfach ein Link zu einer Webseite, welches mir als Nachricht auf Facebook geschickt wurde. Es war offensichtlich eine Webseite für Fundamentalisten. Der Absender hatte in seinem Profil auch Bilder von brennenden israelischen Flaggen, aber für Facebook verstoß das natürlich nicht gegen die Richtlinien. Das war erstmal gruselig.  Sonst kommen natürlich auch gerne notgeile Nachrichten mit wunderbaren Wortneuschöpfungen was meine Körperpartien angeht. Das ist recht erheiternd.

Wie ist das eigentlich: Wirst du auf der Straße oder beim Kaisers an der Kasse oft erkannt und angequatscht? Das hält sich definitiv in Grenzen. Bin ja jetzt keine Kardashian. Man wird meistens im Club erkannt. Mir passiert es auch oft, dass mich Leute grüßen – Bussi links, Bussi rechts – und ich mich absolut nicht daran erinnern kann, wer diese Personen sind. Immer lächeln! Klappt natürlich nicht immer. Außerhalb von Berlin passiert das auch, aber das kam erst seit dem Kalender-Shooting von Thomas Knights für Red Hot.

Gutes Stichwort: Gab es mal eine Zeit, in der du lieber eine andere Haarfarbe gehabt hättest? Eine schwarzgefärbte Emo-Frise? Nein, zum Glück gibt es das nicht. Da muss ich mich auch sehr an meine Friseurin von damals bedanken. Als ich 14 war, wollte ich meine Haare färben lassen und sie weigerte sich, da man so eine Naturhaarfarbe nicht ändern sollte. Recht hatte sie. Habe es danach auch nicht noch einmal versucht.

Und wo wir gerade bei alten Zeiten sind? Wie warst du als Kind? Ich war ein ziemliches Arschloch. Zu allen. Zu meiner Schwester besonders. Ich spuckte immer in ihre Blockflöte und die Kinder im Kindergarten bewarf ich mit Bausteinen. Naja, aber jetzt bin ich recht sozialisiert, glaube ich. (lacht) Ich wollte immer eigenständig sein, mich selbst definieren. Das habe ich aber auch sehr meiner Mutter zu verdanken. Sie ist eine starke Frau, pragmatisch und sehr fokussiert. Vielleicht war sie mein heimliches Vorbild.

Barbara Walters hat ihre Gesprächspartner öfters gefragt, was für ein Baum sie sein würden. Ich möchte das auch einmal tun: Was für ein Baum wärst du?Ich wäre ein Busch.

 Einfach, weil Rasur so 2000er ist, oder weil du keine Ahnung von Pflanzen hast? Speaking of selbst definieren. Ich liebe Pflanzen, mit denen kann ich wirklich ganz gut.

Du gehst mit deiner eigenen Nacktheit nicht nur sehr locker um, sondern sie ist schon fast eine Art Markenzeichen. Wie viel Nacktheit ist für dich okay? Nacktheit wird immer noch als gewisses Tabu angesehen. Auch gewisse Attribute werden Leuten zugesprochen, die sich nackt oder halbnackt ablichten lassen: dumm, naiv, nuttig. Ich für meinen Teil sehe mich nicht so und möchte so auch nicht wahrgenommen werden. Bislang klappt das auch ganz gut, da all die Fotos professionell geschossen wurden und nicht pornografisch sind. Als Gestaltungsmittel ist Nacktheit grundsätzlich eher unwichtig. Ich finde es albern, wenn Typen auf Instagram ein Foto von sich halbnackt posten und drunter schreiben: „I am so tired, it was a long day“. Absolut unnötig. Verbinde es wenigstens mit einem Witz oder ähnlichem. Das macht die Sache dann wieder interessanter. Aber total zusammenhangloses Zeug zu posten finde ich lächerlich.

Du bist unter anderem das Covermodel des neuen SPARTACUS. Wie kam es dazu? Die Geschäftsführung des Verlages sprach mich direkt an, ob ich dazu bereit wäre. Anfangs war es mir etwas schleierhaft, warum gerade ich, da in der Vergangenheit immer sehr muskulöse Typen, meistens ohne Bart auf den Covern waren. Aber genau das war es, was sie wollten – jemand Sportliches, mit Tattoos und Bart. Zeitgeist, könnte man es auch nennen.

Müssen Tattoos immer eine Bedeutung haben? Nein, absolut nicht. Meine haben keine großartige Bedeutung für mich und sind eher auf Ästhetik begründet. Ein Goldener Schnitt oder die Platonischen Körper haben an sich natürlich eine Bedeutung, aber ich verbinde das nicht mit tiefgründigen Emotionen.

Wie bekommt man so einen Körper? Hast du einen Fitness-Plan? Ich gehe drei- bis viermal die Woche zum Sport, versuche so gut es geht ohne Brot und zusätzlichen Zucker auszukommen. Ab und an mal einen Smoothie zu trinken, schadet auch nicht. Viel frischer Ingwer hilft dem Immunsystem. Ja okay, ich geh eigentlich nur zum Sport, um mehr Pizza zu essen und Bier zu trinken. (lacht)

Verrat mir etwas über dich, das kaum einer von dir weiß – so als würde es unter uns bleiben!  Also ich lasse jetzt nicht zwanghaft Luftpolsterfolien platzen, weil mich das beruhigt, aber ich habe ein Faible für Unterwäsche. Ich habe Unterwäsche zuhause, die würden auch für fünf Personen ausreichen. Manche kaufen sich tonnenweise Schuhe, ich mag schöne Unterwäsche. Damit meine ich jetzt nicht Reizwäsche, sondern einfach gut sitzende Briefs. Zeig mir deinen Schlüppi und ich sag dir wer du bist.

Du bist seit einer Weile liiert. Er lebt aber nicht in Deutschland?! Sind Fernbeziehungen scheiße, oder eigentlich gar nicht so übel? Ja, ich bin seit einem halben Jahr mit meinem Freund zusammen. Er lebt in Mailand und ich in Berlin. Ursprünglich war ich immer der Meinung, dass eine Fernbeziehung absolut nicht in Frage kommt. Es ist einfach nervig, teuer und man vermisst sich nur die ganze Zeit. Aber es überwiegen die positiven Dinge: Man zelebriert quasi das Wiedersehen, man nimmt sich viel Zeit für den Partner, man hat ja sonst auch viel Zeit für sich und den Alltag. Und wenn man sich liebt, dann sind anderthalb Stunden im Flieger auch nicht die Welt. Bei uns kommt noch hinzu, dass wir in unterschiedlichen Ländern leben, der kulturelle Austausch ist toll und in Mailand kann man einfach auch gut einkaufen. (lacht)

Was sind deine Pläne für dieses Jahr? Keine direkten. Ich habe das Gefühl, dass sich 2017 vieles ändern wird. Nicht nur privat, sondern auch gesellschaftlich und politisch. Privat hoffe ich, dass ich mit meinem Freund in einer Stadt leben kann, was vieles einfach machen würde. Politisch plane ich Trump zu stürzen, die AfD aufzulösen, Horst Seehofer vor die Tür zu kacken und mit Michelle Obama zu Beyoncé zu tanzen.

 

Reiseführer
SPARTACUS INTERNATIONAL GAY GUIDE 2017
Bruno Gmünder, 2017
Taschenbuch, 976 Seiten
€ 18,99